ZDF- Stern für Konstanzer Sightseeing- Oldie- Bus
24. September 2007 | Von Fritjof Schultz-Friese | Kategorie: ALLGEMEIN, GESCHICHTE, HOBBY, KONSTANZ, MEDIEN, MOBILITY, PROMIS, TOURISMUSGastronomen Wiedemann und Spicker innovativ im Tourismus -
– Stadtrundfahrt Konstanz und Linie Insel Reichenau –

KONSTANZ fsf/ Einen Stern hat das ZDF- Morgenmagazin „Volle Kanne“ dem Konstanzer „Nostalgie- Zille-Bus“ der 30er Jahre mit Sightseeing- Tour durch die Konzil- Stadt verliehen. Seit dem Jahr 2000 sind die Geschäftspartner Jürgen Wiedemann und Alfred Spicker mit zwei Oldie- Bussen in der Region für den Touris-mus innovativ, wobei es für die Gastronomen heißt: „lieber Bus fahren als Golf spielen“. In Konstanz wird in der Saison jeden Mittwoch und Freitag eine abendliche Stadtrundfahrt angeboten, wogegen der Zille- Bus mit Holzpritschen- Bestuhlung auf der Insel Reichenau auf Linie fährt. Abfahrt für die „Sightseeing- Tour Konstanz“ ist um 18,15 Uhr an der Marktstätte / Ecke Bahnhofstraße. Hier heißt es: „Hätten wir Sie hier vor mehr als 600 Jahren abgeholt, hätte Sie anstatt des Busses ein Schiff erwartet, denn gut zwei Drittel dieses Platzes war kurz vor 1400 der Hafen von Konstanz..“. Vorbei geht es am Bahnhof, wo am 13. Juni 1863 der erste Zug hielt, der vom Türmer durch Glocken-geläut angekündigt wurde. Dann geht es am Stadtteil Stadelhofen vorbei, dem einstigen Wirtschaftshof der Bischofsstadt, wohin die „übel riechenden Berufe“, wie Gerber und Metzger verbannt wurden. Das Schnetztor ist eines von drei verblie-benen Stadttoren von einst 27. Die Luther- Kirche, das erste evangelische Gottes-haus der Stadt, soll an den Tod des Reformators Jan Hus, Vorläufer von Martin Luther, erinnern, der während des Konstanzer Konzils, auf dem Scheiterhaufen starb. Dann geht es über die Rheinbrücke mit Blick auf den Bodensee, den so ge-nannten Obersee. Von hier wird der Rhein mit 1000 Kilometern bis Rotterdam ge-messen. Die Fahrt führt zum Stadtteil Staad, wo es seit 1928 eine Fährverbindung nach Meersburg gibt. Im Jahr befördern hier sieben Fähren an die fünf Millionen Passagiere sowie gut 1,5 Millionen PKW. Hier erzählt der Gastronom Jürgen Wiedemann wie die beste Meersburger Weinlage, die Haltenau zum Spitalweingut Konstanz kam. Es klingt wie eine Anekdote und ist doch wahr: Keiner der Meers-burger Stadtherren war bereit die „grotenhäßliche“ (badisch!) adelige Gutsherrin Wendelgard zu besuchen und auszuführen. Da machten sich die Konstanzer Kollegen nach Meersburg auf und führten die Dame mit Küsschen aus. Als Dank wurde ihnen als Erbe der Weinberg als vermacht. Für die Meersburger ist die Geschichte bis heute eine Schmach.
Weiter geht es zu Deutschlands schönst gelegener Universität, mit Gründungsvater EX- Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, an der heute an die 8.000 Studenten Natur- und Geisteswissenschaften, Recht – und Wirt-schaft- sowie Verwaltungswirtschaft studieren. In weiterer Sightseeing- Tour fährt der Oldtimer- Bus am ehemaligen Dominikaner-Kloster auf der Insel, dem späteren Geburtshaus von Ferdinand Graf Zeppelin, dem heutigen Steigenberger- Inselhotel, vorbei. In Sichtweite zeigt sich die strittige neun Meter hohe Edelhure „“Imperia“ des international bekannten Künstlers Peter Lenk auf der Hafenmole. Hier dreht sich die Liebesdienerin in drei Minuten einmal um die eigene Achse, wobei sie in ihren ausgestreckten Händen Kaiser Sigismund und Papst Martin V. hält. Die „Hübsch-lerin“ soll an die einzige Papstwahl auf deutschem Boden, dem Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 erinnern, als über 1000 Huren anreisten, die Einwohnerzahl der Stadt von 7.000 auf 85.000 anstieg.
Gut 75 Minuten geht der Kultur- Trip durch die führende Bodensee – Metropole.
Nicht weniger geschichtsträchtig ist die Fahrt mit dem Nostalgie- Bus auf der Bodenseeinsel Reichenau, die im Jahre 2000 von der UNESCO zu den Welterbe-stätten von weltweit 690 Kultur- und Naturerbestätten in 122 Ländern ernannt wurde. Der Inselbus macht hier mit Rundkurs gut alle 40 Minuten an acht Haltestellen seinen Stopp. Vorbei geht es am Wollmatinger- Ried, Europas größtem Vogelschutzgebiet, das mit dem Europa- Diplom ausgezeichnet wurde, des weiteren an der romanischen St. Georgs- Kirche aus dem 9. Jahrhundert mit großflächiger Wandmalerei, die die acht Wunder Christi zeigen. Die Ansagerin erzählt von dem irischen Mönch Pirmin, der mit 40 weiteren Glaubensbrüdern die Insel im 8. Jahrhundert besiedelte, wobei diese erst einmal laut Chronik „entdschungelt“ und von Schlangen und Fröschen befreit werden musste. In Mittelzell bauten sie ihr Kloster und Münster mit der berühmten „Reichenauer-Schule“, wohin Karl der Große seinen Sohn Pipin und später der europäische Hochadel seine Kinder schickte. Im zugehörigen Schloss Königsegg nächtigten die weltlichen Besucher wie Kaiser und Monarchen aller Herren Länder, denen der Zugang zum Kloster verwehrt wurde. Auf der einstigen Mönchsinsel werden bis heute drei hohe kirchliche Feiertage begangen, im April das Markus Fest, im Mai das Heilig-Blut-Fest sowie im August Maria Himmelfahrt, hierbei wird der Heilige Markus sowie die Reliquie, die mit Christi- Blut getränkte Erde, in einer Prozession über die Insel getragen, ihr voran die historische Bürgermiliz in österreichischen Uniformen Weiß-Rot. Der Blick geht von der Schiffslende auf das Schweizer Ufer Richtung Schloss Arenenberg, wo Napoleon III. mit seiner Mutter, Königin Hortense, Hof hielten.
Bekannt ist die 430 Hektar große Insel Reichenau heute primär als Salat- und Gemüseinsel mit riesigen Treibhausflächen, die von 100 hauptberuflichen Bauern, mit Verkauf bis München, bewirtschaftet wird. Drei- bis viermal im Jahr werden gut 18.000 Tonnen Gemüse geerntet, davon allein 15 Millionen Salatgurken.
Seit dem Jahr 2000 lassen die Gastronomen Jürgen Wiedemann (Hotel – Restaurant „Barbarossa“ Konstanz sowie Hotel- Restaurant „Viva“ Litzelstetten) und Alfred Spicker (Hotel – Restaurant „Volapück“ Litzelstetten) die zwei Busse in einer GmbH & Co. KG. fahren. Die eigentliche Planung war eine Tschu- Tschu- Bahn, ein Touristenbähnle durch die engen Gassen in Konstanz. Als der Gemeinderat sein Veto einlegte entschied man sich für den
Berliner „Zille-Bus“ der 30er Jahre (Nachbau) mit Holzbänken für 47 Plätze.
Der Bus hat 240 PS und wiegt 12 Tonnen, er ist mit einer Sondergenehmigung für 40 KmH zugelassen.
Berliner Stadtbus, Baujahr 1980, wurde von einem Verein in Berlin liebevoll restauriert, bisher über eine Million Kilometer gefahren, 85 Plätze, 280 PS, ist 13 Meter lang und wiegt 13 Tonnen.
Weitere Infos gibt es unter: www.hochzeitsbus-konstanz.de
Bild: (C) Fritjof-Schultz-Friese
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